Das Experiment

ich hab den ganzen Tag darüber nachgedacht, warum ich das hier mache – und es rauschte nur so durchs Hirn. Schlagworte, Sätze, Formulierungen, selbstverliebte Verbalinjurien.

und genau darum soll es gehen: ich brauche einen Raum, in dem ich dem ganzen Wust in meinem Kopf einfach mal eine Spielwiese lasse. Wo ich unzensiert rede, schreibe, lamentiere über die Sachen, die mich beschäftigen. Vor allem: unzensiert!

Mal ehrlich: ob wir direkt mit Freunden reden, ob wir beruflich telefonieren, ob wir bei Facebook, Twitter oder What´s App uns auslassen – immer regiert irgendwo die Schere. Hier schaffe ich mir meinen scherenlosen Raum.

Ich bin mir im Klaren darüber, daß Menschen diesen Raum finden können, die mich kennen. Oder auch solche, die mich noch nicht kennen. Ich werde keine Namen nennen – auch meinen nicht. Aber es ist echt nicht schwer, meine „wahre“ Herkunft herauszufinden 😉 So werde ich diesen Blog auch über Facebook begleiten – allerdings werde ich mich nicht auf die Jagd nach „Freunden“, Followern oder Fans machen (und glaubt mir: ich weiß, wie das geht!). Ich will herausfinden, wen das hier interessiert, wer sich hieran reibt, wer das hier mag oder hasst, ohne die ganzen Social media-Tricks anzuwenden. Love it or leave it – dies ist MEIN Experiment!

Aber darum geht´s gar nicht. Zumindest nicht in dem Experiment. Obwohl: es wird dadurch ein socialmediales Experiment 😉

Ein Beispiel.

Ich habe seinerzeit den Wehrdienst verweigert. Nicht, weil ich mir nicht vorstellen konnte jemanden umzubringen. Das konnte ich. Ich habe die Bundeswehr – auch heute – nur immer für das unproduktivste Staats-Unternehmen des Landes gehalten. Dagegen ist die Bahn ein Furz im Damenklo. Man konnte allerdings nur „moralisch“ verweigern. Hinzugehen und zu sagen „hey kommt, ich mach den Dienst am Vaterland in einer sozialen Einrichtung – das macht für mich mehr Sinn“ ging nicht. Man konnte nur aus Gewissensgründen („ich kann keinen Menschen töten“) verweigern – und mir war damnals schon klar, daß das nur schief gehen konnte. Unter der Prämisse wußte man, daß wenn man zur Verhandlung berufen wird, unweigerlich eine Frage kommt im Sinne von „Stellen sie sich vor, ein Einbrecher bedroht ihre Mutter und sie haben nur die Wahl ihn zu töten oder ihre Mutter sterben zu lassen“

Hallo!?!? Natürlich stirbt der Kerl. Da muß ich keine Sekunde drüber nachdenken. Und im Laufe meines Lebens gab es einige Situationen, in denen mir klar war, daß ich eher töten als einen Schritt zurück gehen würde. z.B.: mein Hund wurde von einem Mastif bedroht. Dessen Besitzer machte den Larry. Sein Mastif lernte auf schmerzhafte Weise, was es heißt, meinen Hund zu bedrohen. Danach wußte der Besitzer, daß ich ihm noch weniger Respekt entgegenbringen würde. Für meinen Hund hätte ich getötet. Jeden. Ohne mit der Wimper zu zucken.

P.S.: irgendwann mußte ich meinen Hund einschläfern lassen. Der Punkt war einfach gekommen, wo der alte Sack in naher Zukunft nur noch aus Leiden und Schmerzen bestehen konnte. Er hatte seinen Dienst hier auf Erden getan – er sollte woanders schmerzfrei weiterleben. Nie habe ich mich mehr gehaßt als da. Nie war ich mehr Freund als da. Kennt ihr die Szene aus „I am Legend“, wo Will Smith seinen Hund, der von Zombie-Tölen gebissen wurde, umbringen mußte – ich heul bei dem Gedanken daran noch heute Rotz und Wasser….

Whatever: kurz darauf fingen meine – Gottseidank getrennt voneinder lebenden – Eltern an, mit mir über ihre Patientenverfügungen reden zu wollen. Sie drucksten dabei mehr rum als zu der Zeit, als sie mir das mit den Bienchen und den Blümchen erklären wollten (sie haben es versucht – aber nie wirkungsvoll getan!). Ich zu beiden: „Kinder, ich hab meinen Hund umgebracht. Euch bringe ich mit links und 40 Fieber unter die Erde. Ich unterschreibe alles!“ P.S. Ende!

Bin ich jetzt krank? Soziophob? Mental nicht ganz auf dem Stand? Mir egal – ich hab noch keinen umgebracht, also ist alles im Lot.

Mit der Haltung bin ich natürlich durch die Gewissensprüfung gerasselt – dazu bedurfte es noch nicht mal Pauken und Trompeten. Nach einigen Revisionen ich also zum Bund – denn so weit ging auch mein soziales Gewissen nicht, als daß ich deswegen Jahre verschwende, bevor ich ich meine berufliche Zukunft angehen konnte. Das Schöne daran: in meiner Kaserne hatte man gehörig Schiss vor mir. Nicht weil ich ein Killer wahr, um Gottes Willen – ich hab micht bis heute noch nicht mal ernsthaft geprügelt. Aber ich war ein Verweigerer und von daher ein potentieller Aufrührer. Für die Oberen…

Einwurf: Der Oberst und ich hatten einen Deal. Ich mußte keine Schießübungen mitmachen, hab die G3 aber als „Gepäckstück“ immer dabei gehabt. Immerhin wäre es bei irgendwelchen Märschen eine echte Erleichterung gewesen, das Teil nicht mit dabei zu haben. Und ich mußte die 18 Monate ja irgendwie mit den anderen Rekruten anständig über die Zeit kriegen. Eines Tages kam mein Uffz und meinte bei einer Schießübung: „Komm – mach einfach mal mit. Ich will wissen, ob du´s kannst.“ Ich stimm grinsend zu (tags zuvor hatte ich auf dem Schießstand der Kirmes noch so ziemlich alles abgeräumt). Am Ende der Übung stand fest: keiner konnte besser schießen als ich. Mein Uffz nur: „Es ist eine Schande…“ – Einwurf Ende.

Whatever. Ich hab´s überlebt, die Armee hat´s überlebt – aber ich geh jetzt hin und sag in dem Fall, wo doch mal einer über meine Klinge springen muß: „Hey – ihr hättet es wissen müssen. Schließlich hab ich einen staatlich anerkannten Killer-Instinkt!“ 😉

so etwas wird hier öfter beschrieben. Gedanken, die juristisch, moralisch oder sozial nicht ganz einwandfrei sind. Von daher wird das ein soziales Experiment! Im soziologischen Sinne, versteht sich 😉

Mir geht es hier nicht nur um die moralischen Wirren in meinem Kopf. Ich arbeite in der Entertainment-Industrie – das kann auch lustig werden! Ich hab Zeit meines Lebens mit Musik zu tun gehabt – das kann auch lästig werden! 😉 Ich hab mich immer als sehr unpolitischen Menschen gesehen – aber dennoch Politik gemacht. Mein politisches Bewußtsein ist allerdings noch kruder als mein moralisches. Das kann schräg werden!

Was ich vor allen Dingen mit diesem Blog erreichen möchte: Austausch! Anregung! Aversion! Das letzte Wort gab´s nur, weil es mit „A“ anfing – ich mag Alliterationen 😉 Upps, schon wieder ein „A“….

Hier wird´s persönlich werden – und banal. Hier wird´s heiß werden – und völlig unterkühlt. Hier wird´s wahrhaftig werden – und völlig fantasievoll. Hier wird mein Ego-Experiment stattfinden. Love it or leave it – du bist hier völlig uninteressant. Solange du mich nicht inspirierst.

☮&♥

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2 Gedanken zu “Das Experiment

  1. Das kann spannend werden, auch für uns Leser. Und ja, Sie haben natürlich recht! Das hier ist ein Tummelfeld für genau solche Experimente. Aber Sie werden die Erfahrung des inneren Widerstreits weiter machen. Laufend. Denn es ist eine Krux, den inneren Spagat zu bewältigen zwischen „ich scher mich einen Deut um Euer Gefallen“ und „ich bin gespannt, wen das interessiert“.

    Aber ich kann Ihnen sehr gut nachfühlen und ich sehe im Text wunderbar abgebildet, was Sie zu Anfang beschreiben: Die Gedanken fahren Karussell im Kopf und hüpfen und springen. Sehr aufregend kann das sein, auch wenn das Viele nie verstehen werden.

    Nur: Sie betonen die Unabhängigkeit, und dass das kein Ort sein soll, wo nach Likes und Followern gefischt wird. Warum dann, bitteschön, vertaggen Sie diesen Artikel dann mit Drugs Rock, Roll, und Sex? Sie sind natürlich auch SEO erprobt und so ganz lassen kann man es dann eben nicht, das mit dem Fischen nach Aufmerksamkeit. Wie gesagt, ich verstehe Sie gut. Und wenn Sie dabei bleiben oder dazu finden, dass Sie wirklich schreiben, ganz bei Ihren Texten sind und es wirklich darauf ankommen lassen, wer bei Ihnen der wirklichen Inhalte wegen hängen bleibt – dann werden Sie interessanten Austausch erleben. Mit sich selbst und mit anderen wohl auch. Und dabei entscheidet nicht die Quantität über das ebenfalls berauschende Gefühl, spannende Gespräche zu führen, die hier eben ganz ohne die sonst üblichen Filter in Kopf und Herzen sich anbahnen können.

    • stimmt – man kann es nicht lassen 😉 aber man kann ja lernen! und wg. der Tags: ich bin u.a. Musiker und da gehört S´n´D´n´R´n´R eben dazu 😉

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